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WAZ Heiligenhaus 14. 12. 2006
Die Sprache des Pferdes verstehen
Tierpsychologin Janet Rosenberger gab ein siebenstündiges Seminar für Einsteiger.
Der Reiter soll sich als zweibeiniges Leittier durchsetzen - Schritt für Schritt
Seelenruhig steht Latino da, der Führstrick baumelt herunter - niemand hält ihn fest. "Er darf keinen Schritt machen", mahnt Tierpsychologin Janet Rosenberger. Joana nähert sich ihrem Pferd, legt erst die Decke auf, dann den Sattel. Und Latino, der bisher alles erst einmal mit seinem Maul untersuchen musste, rührt sich nicht vom Fleck. Sein Kopf bleibt vorn, der Schweif ruhig. Nach sieben Stunden Coaching für Pferd und Reiter scheinen beide ihre Lektionen gelernt zu haben - von einer Tierpsychologin. Sieben Stunden dauerte das Seminar, das Janet Rosenberger auf dem Reiterhof Rossdelle anbot. Ein Training für Einsteiger in das Thema "Stressfreier Umgang mit Pferden".
Ein Thema, bei dem man unweigerlich Robert Redford als "Pferdeflüsterer" in dem gleichnamigen Kinofilm vor sich sieht. Janet Rosenberger ist nicht Robert Redford; sie kommt aus Datteln, nicht aus den USA. Und sie flüstert auch nicht, sondern muss ihre Stimme anstrengen, um in der Reithalle zu allen Teilnehmern durchzudringen. 18 sind gekommen - ausnahmslos Mädchen und Frauen. Fünf von ihnen absolvieren auch den praktischen Teil (und zahlen 70 Euro), die anderen hören und schauen zu (für 35 Euro).
Nach einem anstrengenden Tag mit einem Vormittag voller Theorie und einem Nachmittag mit vielen Übungen kann Joana ihr Pferd stressfrei satteln und aufsteigen. Kurz zuvor hatte sich ihre Schwester dabei noch die Schulter verletzt. Wahrscheinlich, weil sie sich den Führstrick um den Arm gewickelt hatte. "Es hat nicht am Pferd gelegen", sagt Janet Rosenberger. Die Tierpsychologin vermittelt zwischen Mensch und Tier. Der Reiter soll lernen, die Sprache seines Pferdes zu verstehen und sich als zweibeiniges Leittier durchzusetzen. Das Tier muss lernen, dass es dem Menschen vertrauen kann.
Ein Vertrauen, das der Schimmel Ribo (noch) nicht hat. Das Schulpferd nimmt mit Silke Thus an dem Seminar teil. Die Heiligenhauserin reitet seit mehr als 30 Jahren und ist fest entschlossen, Ribo über die blaue Plastikplane zu führen, vor der er aufgeregt hin und her tänzelt, die er aber auf gar keinen Fall betreten will. "Er ist ein kleiner Angsthase", sagt Silke Thus. Immer wieder versucht sie es aufs Neue. Doch Ribo will nicht. "Ihr müsst euch eure Ziele niedrig setzen, Schritt für Schritt - und dann mit einem guten Gefühl nach Hause gehen", fordert Janet Rosenberger. Am Ende hat auch Silke Thus ihre Lektion gelernt: Zwar hat sie Ribo nicht dazu bewegen können, über die blaue Plane zu gehen, "aber er stand schließlich ganz ruhig davor und zappelte nicht mehr". Das ist ausbaufähig. "Ich weiß, dass ich auch die Ansprüche an mich selbst herunterschrauben muss", sagt Silke Thus. Der kleine Erfolg ist in der Tat ausbaufähig. Sie will allein mit Ribo weiter trainieren. Das Seminar hat ihr dennoch nicht uneingeschränkt gefallen: "Die individuelle Betreuung kommt zu kurzv, sagt Thus; sie würde sich kleinere Praxis-Gruppen wünschen.
Sven Zilles, Hausherr auf dem Reiterhof Rossdelle, kann sich gut vorstellen, dass eine Fortsetzung des Coachings mit Janet Rosenberger folgt. Und der Reitlehrer hat auch nichts dagegen, wenn einige seiner Schüler Rosenbergers Rat befolgen und statt zum starren Gebiss demnächst lieber zum lockeren Knotenhalfter greifen - allerdings: "Im Turniersport ist das ja nicht erlaubt.
. ."
14.12.2006 Von Sabine Kreimeier
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