Janet Rosenberger - Coaching – Reitunterricht – Sicherheitstraining
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Westfälische Nachrichten: Lienen 01. 09. 2007

Das Gegenstück zur Super-Nanny

Janet Rosenberger zeigt, wie es geht. Gerade die kleinen Bewegungen der großen Vierbeiner haben es in sich. Das zeigte die Fachfrau am praktischen Beispiel. Lienen. Es ist die Horrorvorstellung eines jeden Pferdebesitzers: Wenn aus dem lieben Zottel plötzlich ein buckelndes, beißendes "Problemtier" wird, bleibt meist ein hilfloser Mensch zurück. Was mache ich nur falsch? Dabei gibt es eine ganz einfache Erklärung: Es liegt in der Natur der Pferde, immer wieder aufs Neue die Rangordnung zu klären. Dabei sind sie nicht zimperlich.

"Das Pferd testet aus, ob es sein Leben dem Menschen anvertrauen kann", erläuterte Janet Rosenberger, "und es wartet auf eine Reaktion." Die 39-Jährige ist Coach für Mensch und Pferd und gab am Samstagnachmittag ein Seminar zum Thema "Stressfreier Umgang mit Pferden" auf dem Reiterhof Hunsche.

Was meint mein Tier, wenn es die Ohren anlegt? Wie kann ich ihm mitteilen, was ich von ihm will? Die Beantwortung vieler Fragen stand im ersten Theorieteil auf dem Programm: "Zu über 90 Prozent kommunizieren wir Menschen mit dem Körper und nicht mit unserer Stimme", gab die ausgebildete Tierpsychologin zuerst Erkenntnisse aus der Kommunikationswissenschaft weiter. Ihr Assistent Jageeran Rasakunasingam studiert in diesem Bereich und steuerte aufschlussreiche Informationen bei.

"Einem Pferd steht ausschließlich die Körpersprache zur Verfügung", betonte Rosenberger. Es prüfe darum genau, wem es bedenkenlos folgen kann. "In der freien Wildbahn heißt es schließlich auch, fressen oder gefressen werden. Ein Pferd hat immer den Tiger hinter sich im Kopf." "Um unsere Pferde zu verstehen, müssen wir lernen, wie sie untereinander ticken", betonte Janet Rosenberger.

Gerade die kleinen Bewegungen der großen Vierbeiner haben es dabei in sich. Den Kopf zur anderen Seite drehen, einen Schritt nach hinten machen - alles nur ein Test, um die Grenzen herauszufinden. "Ich bin quasi das Gegenstück zur Super-Nanny aus dem Fernsehen", erzählte die Dattelnerin lachend. "Ich zeige Pferdebesitzern, wie ihr Verhalten wirkt." Denn es gehe in ihrem Beruf immer auch um ein Persönlichkeitscoaching. Viele Zweibeiner müssten erst lernen, ja und nein auch so zu meinen und nicht das eine zu sagen und das andere zu denken. Denn ein Pferd wolle nur eins: Sicherheit. "Darum formulieren Sie Ihre Gedanken um", gab Janet Rosenberger den Teilnehmern mit auf den Weg: Also nicht "Mein Pferd läuft sowieso weg", sondern "Es bleibt stehen." Unser Körper gibt diese Botschaft so weiter.

Im zweiten praktischen Teil des Seminars zeigte Janet Rosenberger drei Übungen am lebenden Objekt. Mit Pferdefiguren hatte sie diese zuvor gestellt und jeden Schritt genau erläutert. "Sie sind die Leitstute und so sollten sie sich verhalten. Wer ihr nicht folgt, wird vom Tiger gefressen." Sibylle Schell hatte am Samstag ihr Pferd Garcon mitgebracht. Der Wallach war der Lengericherin zu zappelig und unruhig. Davon zeigte er allerdings wenig: einzig die Fliegen schienen ihn zu nerven. Ansonsten stand Garcon ruhig neben der "Pferdeflüsterin" und ließ sich von ihr streicheln. Kein Tänzeln, kein Ausweichen. Es dauerte einige Minuten, bis er den ersten Schritt zur Seite machte. Sofort brachte Rosenberger das Tier mit Gesten wieder auf seine Position zurück. Garcon folgte der vorauslaufenden "Leitstute" in respektvollem Abstand und zeigte sich äußerst lernwillig.

Die Coachin verstand es, ihren Teilnehmern bislang übersehene Bewegungen des Vierbeiners in menschliche Sprache zu übersetzen und begreifbar zu machen. Sie demonstrierte eindrucksvoll, wie jeder mit der richtigen Körpersprache in wenigen Minuten die Rangordnung klären kann und Vertrauen zum Pferd aufbaut. Ein Aha-Erlebnis folgte auf das nächste. Selbst wehende Plastiktüten und knisternde Planen stellten dann kein Hinderniss mehr dar.

VON SONJA MÖLLER

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