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Münstersche Zeitung vom 07.08. 2007 Hiltrup
Die Sprache der Pferde
Trainingsseminar mit der Tierpsychologin Janet Rosenberger
Von Annika Hamachers
AMELSBÜREN "Um erfolgreich mit unserem Pferd zu kommunizieren, können wir nur die Sprache sprechen, die die Pferde auch sprechen". Daran erinnert Janet Rosenberger ihre Schüler immer wieder.
Wie genau das am besten klappt, übte sie letztes Wochenende auch in Amelsbüren. Mit 16 zwei- und fünf vierbeinigen Teilnehmern coachte die erfahrene Tierpsychologin auf der Reitanlage Schwenken einen ganzen Tag lang zum Thema "Stressfreier Umgang mit Pferden".
Wer dachte, an diesem Tag lernen nur die Tiere dazu, der lag mächtig daneben. Es waren vor allem die Reiter, denen im Reiterstübchen der Anlage in viel Theorie erst einmal einiges über ihr eigenes Verhalten bewusst gemacht wurde.
Wichtig war es Rosenberger dabei, zu vermitteln, dass es beim Umgang mit Pferden nicht darum geht, jede Kleinigkeit im Pferdeverhalten irgendwie deuten zu wollen, sondern konkrete Signale zu erkennen und selbst eindeutige Zeichen zu geben.
Emotionen eines Pferdes beispielsweise aus seinem Gesicht ablesen zu wollen, wie man es bei Menschen gewohnt ist, ist fast immer von vornherein zum Scheitern verurteilt. "Ein Pferd kommuniziert immer mit dem ganzen Körper" , so die Expertin, die beim bekannten "Pferdeflüsterer" Heinz Welz gelernt und zur Ethnologie des Pferdes in der Schweiz studiert hat.
Mit ein wenig gemischten Gefühlen ging es nach einem kurzen Mittagessen dann am frühen Nachmittag gemeinsam mit den Tieren in die Reithalle: "Da drinnen klang das ja alles ganz vernünftig. Aber ich kenne doch meinen, der macht das eh wieder nicht..." , so in etwa hörten sich doch einige Zweifel seitens der Seminarteilnehmer an.
Und in der Tat: Als die sie aufgefordert waren, das Erlernte praktisch umzusetzen, lief zu Anfang noch so einiges gehörig falsch: Pferde blieben nicht stehen, schubsten ihre Besitzer oder schienen sich für alles mögliche zu interessieren, nur nicht für das, was sie tun sollten. Das, so erklärte Rosenberger, liege aber nicht an den Tieren, sondern an der Unsicherheit ihrer Reiter und sei völlig normal. "Wir müssen lernen, übers Denken zu arbeiten. Alles was wir denken, drückt sich auch in unserer Körpersprache aus, ob wir wollen oder nicht. Und für diesen Ausdruck sind Pferde hoch sensibel. Also denken Sie heute nur an das, was Sie erreichen wollen und nicht an das, was sie nicht erreichen wollen."
Diese Ermunterung schien zu helfen, denn auch wenn es nicht von jetzt auf gleich ging, so wurden die Zweibeiner zusehends selbstbewusster und die Vierbeiner immer gehorsamer.
Dinge, die vor dem Seminar für viele noch undenkbar waren, funktionierten beim Abschluss um 17 Uhr einwandfrei: Die Pferde folgten ihren Reiten am lockeren Strick überall hin, ließen sich problemlos rückwärts richten und wenden und überquerten sogar bunte, knisternde Plastikplanen ohne Zögern.
"An diesen Erfolgen," so ermahnte Rosenberger aber ihre Schüler vom vergangenen Samstag, "müssen Sie kontinuierlich weiterarbeiten. Verlangen Sie nicht zu viel, vertrauen Sie ihrem Pferd und das Wichtigste: Nehmen Sie sich Zeit für es."
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