Janet Rosenberger - Coaching – Reitunterricht – Sicherheitstraining
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Ibbenbürener Volkszeitung (Hörstel) 02.08. 2006

Plastiktüte wird zum Tiger

Janet Rosenberger im SeminarVon Linda Braunschweig

Riesenbeck. "Pie Jey" zuckt zusammen. Langsam streifen seine Besitzerin Sarah Bülter und eine Helferin dem braunen Wallach eine Plastikfolie über den Hals und dann Richtung Ohren. Als diese erreicht sind, ist es mit der Geduld des Pferdes vorbei. Drei schnelle Schritt rückwärts und die blaue Folie liegt wieder am Boden.

"Das üben wir jetzt so lange, bis wir ihm die Folie über den Kopf ziehen können", ordnet Janet Rosenberger an. Die Tierpsychologin und Ethologin aus Datteln leitete am Sonntag ein Tagesseminar auf dem Birkenhof am Saerbecker Damm in Birgte. Fünf Teilnehmer mit Pferden und 15 "auf der Zuschauerbank" warteten gespannt auf die nächsten Schritte in der Reithalle. Am Morgen hatten sie zunächst mehrere Stunden lang Theorie gehört und dabei schon einiges gelernt. "Mir gefällt das Seminar sehr gut. Hier lernt man, wie man gegenüber dem Pferd der Boss sein kann", meint Silke Baartz. Die Ibbenbürenerin hat mit ihrer Stute "Nancy" eigentlich keine Probleme. "Trotzdem gibt es hier noch einige Tricks für den Umgang mit dem Pferd", ist sie sich sicher.

Bei Sarah Bülter aus Hauenhorst ist die Sache nicht ganz so einfach. "Pie Jey" muss auf dem Weg zur Weide an Plastikfolien in Kopfhöhe vorbei. "Da hat er jedes Mal Angst", so die junge Pferdebesitzerin. Im Seminar musste "Pie Jey" nun erst mal eine wedelnde Plastiktüte über sich ergehen lassen, von vorne, von der Seite und schließlich auch von oben. Als das kein Problem mehr ist, nimmt Janet Rosenberger die große Folie. Zudecken lässt sich der Wallach damit - doch über den Kopf ziehen, das ist schon eine andere Sache. Eine knappe halbe Stunde später ist es geschafft. "Pie Jey" bleibt ruhig stehen.

"Ich habe kein einheitliches Konzept. Wichtig ist, dass die Rangordnung geklärt wird", erklärt Janet Rosenberger. Deshalb hat sie den Teilnehmern am Morgen auch die Funktion der Leitstute in einer Herde vorgestellt. "Das Verständnis, welche Körpersprache eingesetzt wird, muss sich erst entwickeln." So können die Teilnehmer an einem solchen Tag nicht schon alles lernen. Sie nehmen eine Menge auf und probieren es dann zu Hause aus.

Wie die Sache mit der wedelnden Plastiktüte. "Für die Pferde ist so eine Plastiktüte ein Tiger. Das ist ganz gefährlich", erklärt Janet Rosenberger. Wenn aber die "Leitstute" daran vorbei geht, folgt das Pferd. Nur: Wie ist das beim Reiten, wenn niemand vorgeht? Die Rangordnung muss vorher geklärt sein. Es gibt da auch Tricks, um das von oben zu machen, wenn das aber nicht klappt, dann muss ich erst mal wieder absteigen." Das konsequente Zugehen auf die Hinterhand des Pferdes ist so ein Trick. Das Tier soll dem Menschen ausweichen. Oder das Rückwärtsrichten des Pferdes beim Führen. Es soll dem Pferd sagen: Du hast hinter mir zu bleiben. "Grundsätzlich gilt: Was wir am Boden nicht können, werden wir von oben niemals schaffen. "Dass das tatsächlich so ist, zeigt sich ein wenig später beim Aufsitzen. Ein Rappe will partout nicht stehen bleiben. Seine Reiterin steigt immer wieder ab. Drei, vier, fünf Mal. Irgendwann haben Reiter und Pferd den Dreh raus. Das Aufsitzen klappt - ohne Einsatz der Gerte, ohne Gebiss. "Na, also, geht doch", zeigt sich die Tierpsychologin zufrieden. "Es reicht nicht, nur reiten zu lernen. Wir müssen die Tiere auch verstehen."

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